Europäisches Jahr des Kulturerbes: Ivan Cankar und sein Vrhnika

Einen Katzensprung von der slowenischen Hauptstadt Ljubljana entfernt liegt Vrhnika. Das Gebiet des heutigen zauberhaften Städtchens rühmt sich mit einer reichen Geschichte, die stets auch vom Fluss Ljubljanica mitgestaltet wurde. In der Antikzeit war Vrhnika (Navport) eine Markt- und Hafensiedlung, Ausgrabungen rund um die altertümliche Marktstelle am Fluss Ljubljanica stammen aus der Römerzeit, im Mittelalter war Vrhnika bekannt wegen zahlreicher Handwerker, Händler und Fährmänner.

1876 wurde im Stadtteil genannt Na klancu [Die Steigung] als achtes von zwölf Kindern einer Handwerker- und Arbeiterfamilie der am meisten respektierte und anerkannteste slowenische Schriftsteller Ivan Cankar geboren. Eine erste Gelehrsamkeit erhielt er im heimischen Vrhnika und in Ljubljana, er studierte in Wien, eine Zeit lang lebte er in Sarajevo bis er sich endgültig in Ljubljana niederließ, wo er am 1. Dezember 1918 im Alter von nur 42 Jahren auch starb.

Zusammen mit Josip Murn Aleksandrov, Dragotin Kette und Oton Zupančič wird er zu den vier Vertretern der slowenischen Moderne gezählt. Sein Erbe ist äußerst reichhaltig. Er begann als Dichter (Erotika) und arbeitete später weiter als Schriftsteller. In seiner Zeit war er auch sozialdemokratischer Politiker. In seinen Werken stellte er soziale Ungerechtigkeiten und die Verlogenheit verschiedener Schichten und Strukturen in der Gesellschaft an den Pranger, gleichzeitig war er auch ein Schriftsteller, der sehr seine Mutter, seine Heimat und während seines letzten Lebensabschnittes auch Gott schätzte und respektierte, obwohl Letzteres eine lange Zeit des Suchens, des Verlustes des kindlichen Glaubens und des Atheismus mit sich brachte. Somit kommen in seinen Werken Beschuldigung und Klarheit, Lyrik und Träumerei zu einem einzigartigen Geflecht zusammen. Wer kennt die Erzählung Hlapec Jernej in njegova pravica [Knecht Jernej und sein Recht], die Romane Hiša Marije pomočnice [Das Haus der Barmherzigkeit], oder Martin Kačur, die Erzählung Kurent, die Novelle Za križem [Hinterm Kreuz], die Kurzgeschichten Podobe iz sanj [Traumgeschichten], das satirische Drama Pohujšanje v dolini šentflorjanski [Die Erregung im St. Florianital] und die Schauspielstücke Hlapci [Knechte] und Za narodov blagor [Zum Wohle des Volkes] nicht?

Als Erzähler und Dramatiker hob er die slowenische Sprache auf eine weltliche Ebene, was auch durch zahlreiche Übersetzungen in andere Sprachen, auch ins Deutsche, bewiesen wird. Er starb jung, war zu oft enttäuscht; auch wegen seines Charakters lebte er sehr bescheiden. Auf der anderen Seite war er aber schon zu Lebzeiten sehr berühmt. Deshalb verwundert es nicht, dass viele Menschen aus Ljubljana und allen Teilen des slowenischen Heimatlandes ihn auf seinem letzten Weg zum Grab begleiteten. Zum hundertsten Jahrestag seines Todes erklärte die slowenische Regierung das Jahr 2018 zum Cankar-Jahr.

Ivan Cankar war auch stark an seinen Geburtsort Vrhnika gebunden. In zahlreichen Werken beschreibt und bewundert er seinen Heimatort. In Vrhnika erinnern an ihn sein Gedenkhaus, ein Denkmal, das Kulturzentrum, die Bibliothek und ein Themenpfad. Dabei gibt es fast keinen slowenischen Ort, der nicht eine Straße nach ihm benannt hätte.

Nehmen Sie sich auch mal Zeit für eines der Werke von Cankar. Wenn Sie in Slowenien sind, besuchen Sie unbedingt seinen Heimatort Vrhnika.

Quellen und Fotos: TIC Vrhnika.

Fotos: TIC Vrhnika.

Mehr Info: www.visitvrhnika.si